Neben den Schwierigkeiten beim Sprechen haben fast alle von einer Aphasie Betroffenen auch Probleme im Verständnis von Sprache. Besonders bei der globalen Aphasie ist das Sprachverständnis erheblich eingeschränkt. Trotzdem hat man oft den Eindruck, als würden die Betroffenen einiges verstehen. Das liegt daran, dass sie vieles aus der Situation erschließen und erraten. Fragen Sie z.B. im Café: „Möchtest du eine Tasse Kaffee trinken?“, so passt diese Frage zur Situation und der Betroffene wird sie eher verstehen. Fragen Sie aber, während Sie bestellen: „Ach übrigens, morgen kommt der Versicherungsvertreter. Kannst du mir sagen, wo deine Unterlagen liegen?“, passt die Frage nicht zur Situation. Bei solchen Themen, die nicht direkt zur Situation passen, ist das Verständnis für schwer betroffene Aphasiker häufig eingeschränkt. Auch das Verständnis für die Bedeutung einzelner Wörter ist nicht immer ganz sicher. So ist es möglich, dass ein Mensch mit einer Aphasie bei der Frage „Möchtest du Tee?“ versteht, dass es sich um ein Getränk handelt, aber Tee und Kaffee verwechselt und so „ja“ antwortet, obwohl er lieber Kaffee trinken würde.
Die meisten von Aphasie betroffenen Menschen leiden unter Wortfindungsstörungen, das heißt, sie können einen Gegenstand nicht benennen, obwohl sie wissen, um was es sich handelt. Auch wenn sie (mit Hilfe) auf das Wort kommen, kann es sein, dass es wenige Sekunden später schon wieder „weg“ ist.
Neben den reinen Wortfindungsstörungen können Begriffe auch falsch gesprochen werden. Dabei kommen folgende Fehler vor:
- Probleme, Wörter in ihrem Lautmuster richtig auszusprechen. Es kommt zu sogenannten phonematischen Paraphasien, das heißt, die Laute eines Wortes werden verdreht oder durch andere ersetzt (z.B. „Meksel“ statt „Messer“).
- Aussprechen eines Wortes, das der Betroffene gar nicht sagen möchte. Dieses kann im Zusammenhang mit dem gesuchten Wort stehen (z.B. möchte er „Tisch“ sagen und sagt stattdessen „Stuhl“), manchmal ist aber auch kein Zusammenhang erkennbar.
- „Hängenbleiben“ an einem Ausdruck. Eigentlich möchte der Betroffene etwas anderes sagen, kommt aber von dem Wort, das er bereits gesagt oder von jemand anderem gehört hat, nicht los (Perseveration).
- Häufig kommt es auch zu „Sprachautomatismen“, d.h. bestimmte Floskeln (z.B. „wie gesagt“) werden unabhängig von der Situation immer wieder gebraucht.
- Falls es überhaut sprachliche Reaktionen gibt, können diese auch durch starke Sprechanstrengung und Artikulationsstörung kaum verständlich sein
Viele von Aphasie Betroffene verlieren ihre Lesefähigkeit ganz oder teilweise. Aber selbst bei schweren Lesestörungen können manchmal einzelne Wörter gelesen werden. Oft werden auch gelesene Wörter mit sinnverwandten Wörtern verwechselt (z.B. „Stuhl“ statt „Sessel“). Manche können einzelne Wörter und Sätze lesen, aber deren Bedeutung nicht verstehen (Lesesinnverständnis). Beim Schreiben werden häufig Buchstaben vertauscht, hinzugefügt oder ausgelassen (Paragraphien).
Im Rahmen der neurologischen Grunderkrankung können zusätzlich (u.a.) Wahrnehmungsstörungen, Gedächtnisstörungen und psychische Störungen wie Depression oder eine Antriebsminderung auftreten.