APHASIEZENTRUM
Das Landes-Aphasie-Zentrum Schleswig-Holstein ist ein Beratungs-, Begegnungs- und Therapiezentrum für Menschen mit Aphasie und deren Angehörige. Es wurde in Kooperation zwischen der August-Bier-Klinik und dem Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. am 27.09.2007 gegründet.
Wir fördern die Rechte, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit erworbenen Sprachstörungen.
ÜBER UNS
Unsere Leistungen
- individuelle telefonische oder persönliche Beratung
- Aufklärung über das Krankheitsbild Aphasie
- Informationen über Therapiemöglichkeiten
- Vermittlung von Kontakten zu niedergelassenen Therapeuten und Selbsthilfegruppen
- Teilnahme an unserer hausinternen Selbsthilfegruppe
- Aufbau eines Selbsthilfe- Netzwerkes
- Seminare und „Aphasietage“ für Menschen mit Aphasien und deren Angehörige
- ambulante logopädische Therapie
- ambulante Intensivtherapie
Ihre Ansprechpartner
Telefonsprechstunde donnerstags: 10- 12 Uhr
Selbsthilfegruppe (SHG) Aphasie:
Wir bieten Ihnen und Ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich regelmäßig mit anderen Betroffenen in der AUGUST-BIER-KLINIK zu treffen, um sich bei der Bewältigung der Krankheitsfolgen gegenseitig zu unterstützen.
In einem geschützten Raum können Sie von den Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder profitieren und wertvolle Tipps für den Alltag erhalten. Der Kontakt untereinander stärkt das Selbstvertrauen und schenkt Ihnen so Orientierung und Halt.
Wann: i.d.R. jeden dritten Donnerstag im Monat von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr
Wo: Raum Kellersee, AUGUST-BIER-KLINIK
Der nächste Termin der Aphasie-Selbsthilfegruppe Malente findet am 20.11.2025 statt.
TERMINE FÜR 2026:
der Selbsthilfegruppe Aphasie
15. Januar online (15 - 16 Uhr)
19. Februar online (15 - 16 Uhr)
19. März
16. April
21. Mai
18. Juni
23. Juli
20. August
17. September
8. Oktober
19. November
Was ist eine Aphasie?
Eine Aphasie ist eine durch Krankheit erworbene Sprachstörung, die nicht nur das Sprechen, sondern auch das Verstehen, das Lesen und das Schreiben betrifft. Das Wort „Aphasie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Sprachlosigkeit“. Die meisten Menschen, die an einer Aphasie leiden, haben ihre Sprache aber nicht völlig verloren. Eine Aphasie ist vielmehr eine Sprachstörung, bei der es sehr unterschiedliche Formen und Schweregrade geben kann. Einige Menschen mit Aphasie zeigen nur leichte Unsicherheiten, z.B. beim Finden von Wörtern. Andere Aphasiker haben die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken und Sprache zu verstehen, praktisch völlig eingebüßt. Während wiederum andere Betroffene einen normalen Redefluss haben, aber inhaltlich nicht zu verstehen sind.
Das Gehirn ist die Steuer- und Schaltzentrale des gesamten Organismus. Es besteht aus Nervenzellen, die miteinander vielfach verbunden sind und bestimmte Zentren bilden. So gibt es etwa Zentren für die Ausführung von Bewegungen, Zentren, die beim Sehen und Erkennen beteiligt sind, und eben auch Sprachzentren. Es ist also für die Ausprägung der Störung bedeutsam, an welcher Stelle sich die Gehirnverletzung befindet und welches Ausmaß sie hat. Ursache einer solchen Schädigung ist in vielen Fällen ein Schlaganfall. Andere mögliche Ursachen sind Hirnblutungen, Schädelhirnverletzungen (beispielsweise nach einem Unfall), Hirntumore oder entzündliche Prozesse im Gehirn.
Neben den Schwierigkeiten beim Sprechen haben fast alle von einer Aphasie Betroffenen auch Probleme im Verständnis von Sprache. Besonders bei der globalen Aphasie ist das Sprachverständnis erheblich eingeschränkt. Trotzdem hat man oft den Eindruck, als würden die Betroffenen einiges verstehen. Das liegt daran, dass sie vieles aus der Situation erschließen und erraten. Fragen Sie z.B. im Café: „Möchtest du eine Tasse Kaffee trinken?“, so passt diese Frage zur Situation und der Betroffene wird sie eher verstehen. Fragen Sie aber, während Sie bestellen: „Ach übrigens, morgen kommt der Versicherungsvertreter. Kannst du mir sagen, wo deine Unterlagen liegen?“, passt die Frage nicht zur Situation. Bei solchen Themen, die nicht direkt zur Situation passen, ist das Verständnis für schwer betroffene Aphasiker häufig eingeschränkt. Auch das Verständnis für die Bedeutung einzelner Wörter ist nicht immer ganz sicher. So ist es möglich, dass ein Mensch mit einer Aphasie bei der Frage „Möchtest du Tee?“ versteht, dass es sich um ein Getränk handelt, aber Tee und Kaffee verwechselt und so „ja“ antwortet, obwohl er lieber Kaffee trinken würde.
Die meisten von Aphasie betroffenen Menschen leiden unter Wortfindungsstörungen, das heißt, sie können einen Gegenstand nicht benennen, obwohl sie wissen, um was es sich handelt. Auch wenn sie (mit Hilfe) auf das Wort kommen, kann es sein, dass es wenige Sekunden später schon wieder „weg“ ist.
Neben den reinen Wortfindungsstörungen können Begriffe auch falsch gesprochen werden. Dabei kommen folgende Fehler vor:
- Probleme, Wörter in ihrem Lautmuster richtig auszusprechen. Es kommt zu sogenannten phonematischen Paraphasien, das heißt, die Laute eines Wortes werden verdreht oder durch andere ersetzt (z.B. „Meksel“ statt „Messer“).
- Aussprechen eines Wortes, das der Betroffene gar nicht sagen möchte. Dieses kann im Zusammenhang mit dem gesuchten Wort stehen (z.B. möchte er „Tisch“ sagen und sagt stattdessen „Stuhl“), manchmal ist aber auch kein Zusammenhang erkennbar.
- „Hängenbleiben“ an einem Ausdruck. Eigentlich möchte der Betroffene etwas anderes sagen, kommt aber von dem Wort, das er bereits gesagt oder von jemand anderem gehört hat, nicht los (Perseveration).
- Häufig kommt es auch zu „Sprachautomatismen“, d.h. bestimmte Floskeln (z.B. „wie gesagt“) werden unabhängig von der Situation immer wieder gebraucht.
- Falls es überhaut sprachliche Reaktionen gibt, können diese auch durch starke Sprechanstrengung und Artikulationsstörung kaum verständlich sein
Viele von Aphasie Betroffene verlieren ihre Lesefähigkeit ganz oder teilweise. Aber selbst bei schweren Lesestörungen können manchmal einzelne Wörter gelesen werden. Oft werden auch gelesene Wörter mit sinnverwandten Wörtern verwechselt (z.B. „Stuhl“ statt „Sessel“). Manche können einzelne Wörter und Sätze lesen, aber deren Bedeutung nicht verstehen (Lesesinnverständnis). Beim Schreiben werden häufig Buchstaben vertauscht, hinzugefügt oder ausgelassen (Paragraphien).
Im Rahmen der neurologischen Grunderkrankung können zusätzlich (u.a.) Wahrnehmungsstörungen, Gedächtnisstörungen und psychische Störungen wie Depression oder eine Antriebsminderung auftreten.
Umgang mit Menschen mit Aphasie
Die sprachgesunden Gesprächspartner sollten darauf achten, dass die Sprachgestörten ihnen zugewandt und wirklich aufnahmebereit sind (Aufmerksamkeit auf sich lenken, Blickkontakt).
Menschen mit Aphasie benötigen schon für das Verstehen ihre gesamte Aufmerksamkeit. Es ist also ratsam, nicht zwei oder mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Hintergrundgeräusche, wie Radio oder Straßenlärm, können von Sprachgestörten nur sehr schwer ausgeblendet werden und stören sie mehr als Sprachgesunde. Gespräche in einer Gruppe von mehreren Menschen sind für Menschen mit Aphasie weitaus schwieriger zu verstehen.
- Behandeln Sie den aphasischen Menschen als gleichwertigen Kommunikationspartner!
- Verwenden Sie einfache und kurze Sätze.
- Reden Sie ruhig und etwas langsamer, aber ganz natürlich.
- Es ist nicht notwendig, übermäßig betont und in erhöhter Lautstärke zu sprechen.
- Versuchen Sie, ihrem aphasischen Gesprächspartner eine möglichst weitgehende Selbstständigkeit zu lassen.
- Begleiten Sie Ihre Worte mit Gesten, Mimik und Körpersprache.
- Stellen Sie ja/nein Fragen anstelle von offenen Fragen, um die Antwort zu erleichtern.
- Wenn etwas nicht verstanden wurde, wiederholen Sie es mit anderen Worten.
- Nehmen Sie dem von Aphasie Betroffenen nicht das Sprechen ab, wenn er oder sie sich selbst ausdrücken kann, auch wenn es länger dauert.
- Es ist ganz normal, wenn Sie aufgrund von ungewohnt langen Pausen, die der Betroffene macht, nervös und/oder ungeduldig werden. Es kommt nur darauf an, dass Sie ihm diese Pausen zugestehen und ihn nicht mit ihren eigenen Worten unterbrechen.
- Sprechen Sie Menschen mit Aphasien nicht Wörter mit der Aufforderung vor, sie zu wiederholen (es sei denn, der Betroffene wünscht sich das ausdrücklich).
- Sprechen Sie nicht vor Dritten über ihn, als ob er gar nicht vorhanden wäre, sondern versuchen Sie, ihn immer ins Gespräch mit einzubeziehen, auch wenn er sich selbst nicht äußern kann (z.B. „Wir wollten doch noch sagen, dass du …“).
Mit der Hilfe allgemeiner Kommunikationsregeln ist es möglich, auch schwer Betroffene in Gespräche und Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen oder ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfahren.
Es ist wichtig, sich darum immer wieder zu bemühen, damit die Betroffenen nicht resignieren, sich abkapseln und sich ihre sprachlichen Fähigkeiten verschlechtern.
Aktuelles
Rund um das Landes-Aphasie-Zentrum in der August-Bier-Klinik
